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Feldvogelvergrämung im Großprojekt Netzausbau

Ende Februar herrscht bei uns Hochbetrieb, denn wir befinden uns mitten in der Hauptsaison für den Feldvogelschutz. Im Rahmen eines umfangreichen Netzausbauprojekts ist das Belke Naturteam derzeit im Einsatz, um flächendeckende Vergrämungsmaßnahmen für bedrohte Bodenbrüter wie Feldlerche, Kiebitz und Rebhuhn umzusetzen. Da diese Arten ihre Nester direkt in der offenen Feldflur anlegen, sind sie durch Bauarbeiten besonders gefährdet. Vögel zählen daher zu den am stärksten betroffenen Schutzgütern beim Stromnetzausbau.

Um die artenschutzrechtlichen Vorgaben nach §44 (1) BNatSchG einzuhalten und Tötungen oder Nestzerstörungen sicher zu vermeiden, setzen wir auf die temporäre Vergrämung als bewährte CEF-Maßnahme. Das Prinzip ist simpel, aber effektiv: Die betroffenen Baufelder werden gezielt unattraktiv gestaltet, noch bevor die Vögel ihre Reviere beziehen. So verhindern wir Konflikte zwischen Naturschutz und notwendiger Infrastruktur bereits im Vorfeld.

Technisch realisieren wir dies in unserem aktuellen Projekt durch ein mehrstufiges System. Auf den potenziellen Brutflächen installieren wir ein Raster aus flexiblen PVC-Vergrämungsstäben, die im Abstand von 10 bis 15 Metern aufgestellt werden. Ausgestattet mit auffälligem Flatterband erzeugen diese Stäbe durch Bewegung und optische Reize eine stetige Unruhe. Besonders Feldlerchen, die baum- und strauchlose Habitate bevorzugen, meiden diese künstlichen Vertikalstrukturen konsequent. Unterstützt wird dieser Effekt durch den Einsatz von Flugdrachen, die kreisende Greifvögel simulieren, sowie durch strategisch platzierte Sitzstangen, die echte Greifvögel anlocken. Der so entstehende Eindruck einer hohen Fressfeind-Dichte signalisiert den Bodenbrütern frühzeitig: Hier ist kein sicherer Ort für den Nachwuchs.

Das Ziel dieser Maßnahmen ist eine klassische Win-Win-Situation. Da die Installation jetzt – rechtzeitig vor dem Brutbeginn im März – erfolgt, sind noch keine Nester besetzt. Die Vögel haben ausreichend Zeit, auf sichere Alternativhabitate in der Umgebung auszuweichen, um dort ungestört ihre Jungen großzuziehen. Gleichzeitig stellen wir sicher, dass es während der Bauphase zu keinen Verzögerungen durch brütende Vögel im Trassenbereich kommt und der Netzausbau planmäßig voranschreiten kann.

Annika Stubbmann
3. Februar 26